Nicht lesen, nicht schreiben und nicht SPRECHEN für ganze 10 Tage?!

Geht das überhaupt? Und was genau soll das nützen? Sind die Leute verrückt geworden? Bringt solch ein Meditationskurs überhaupt IRGENDetwas?

 

Vipassana-Hall

 

Fragen über Fragen, doch auch ich bekam keine Antworten bis ich es selbst ausprobierte. 2010 nahm ich das erste Mal an dem Meditationskurs Vipassana in Triebel teil und ich wusste absolut nicht, worauf ich mich da einließ.

Rückblickend weiß ich, dass es eine der besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens war.

 

Was ist Vipassana Meditation?

 

„Vipassana ist eine der ältesten Meditationstechniken Indiens. Sie wurde vor mehr als 2500 Jahren von Gotama, dem Buddha, wiederentdeckt, nachdem sie lange für die Menschheit verloren war. Das Wort Vipassana bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Es ist der Prozess der Selbstreinigung durch Selbstbeobachtung. Man beginnt mit der Beobachtung des natürlichen Atems, um den Geist zu konzentrieren.“

(entnommen der Website von Vipassana in Triebel)

 

Was kostet der Kurs?

 

Es wäre etwas pauschal zu sagen „nichts“, aber im Grunde genommen ist es so: Der Kurs kostet nichts.

Auf der Website von Vipassana heißt es: „Nach der Tradition des reinen Vipassana werden Kurse einzig und allein auf Spendenbasis durchgeführt.“

Es wird ausdrücklich gesagt, dass Teilnehmer soviel Geld geben sollen wie sie möchten. Der Gründer Goenka verfolgte immer das Ziel den Kurs für JEDEN Menschen zugänglich zu machen, ungeachtet dessen Vermögen.

Wie unglaublich das auch einigen Leuten erscheinen mag, ist das wirklich der Fall. Persönlich habe ich z.B. (als arme Studentin ) einmal gar kein Geld gegeben, bin dann jedoch später als Helferin hingefahren, was aber auch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Also ich kann euch aus eigener Erfahrung 100%ig versichern, dass es sich bei dem Kurs um keine „Abzocke“ oder sonstige komische „Sekte“ handelt.

 

Wer Geld geben will, gibt Geld. Wer kein Geld geben will, lässt es bleiben.

 

Meditations-Kurse sind generell meist kostenlos (manchmal wird eine Pauschale für Unterkunft und Essen erhoben).

Wenn ihr einmal mit dem Gedanken spielen solltet einen Kurs zu besuchen, der nicht auf Spendenbasis durchgeführt wird, dann solltet ihr zweimal überlegen, ob es sich nicht eventuell um eine kommerzielle Abzocke handelt.

 

Wie erfuhr ich von dem Kurs?

 

Meine werte Mutti ist Yoga-Lehrerin und jeder, der Yoga kennt, weiß, dass Meditation nicht weit davon entfernt ist. 2010 erzählte sie mir von diesem Meditations-Kurs. Sie war Feuer und Flamme und meldete sich sofort an.

Als ich hörte, was man dort alles NICHT tun durfte schaute ich meine Mutti mit weit aufgerissenen Augen an: „Mutti, DU und nicht sprechen?!“ und erhielt nur als Antwort: „Man muss ja alles mal ausprobiert haben!“ Also zog meine verrückte Mutti als erstes los und nahm an dem 10-Tages-Kurs teil. Als sie wiederkam, leuchteten ihre Augen auf komische Art und Weise und sie sagte einfach nur: „Es war genial. Versuch es ruhig einmal!“ Soweit so gut….

Angemeldet. Jogginghosen, Bettzeug, Deo ohne Duftstoffe (um andere Teilnehmer nicht abzulenken) eingepackt; Mitfahrgelegenheit gefunden und auf ging es zur kleinen Reise zu mir selbst.

 

Angekommen…

 

Angekommen auf dem Berg in Triebel war ich erst einmal sehr erstaunt, dass das ganze Meditationszentrum so naturverbunden ist: Gärten, Wald, Bäume, Blumen, Sträucher: alles ist so naturbelassen und sieht dennoch sehr gepflegt aus.

Dhamma_Dvara

Kleine Einweisungen, Kennenlernen einiger anderer Teilnehmer (wir durften ja noch sprechen!), ein leckeres vegetarisches Essen und schon begann der Meditationskurs.

 

Tagesablauf

 

Der Tagesablauf ist jeden Tag der Selbe und sieht wie folgt aus:

 

4:00 a.m.———————–Gong-Aufstehen
4:30-6:30 a.m.—————-Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer (von einigen als „Schlafmeditation“ missverstanden )
6:30-8:00 a.m.—————-Frühstückspause
8:00-9:00 a.m.—————-GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
9:00-11:00 a.m.—————Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
11:00-12:00 ——————-Mittagessen
12:00-1:00 p.m.—————Ruhepause, Gelegenheit zum Interview mit dem Lehrer
1:00-2:30 p.m.—————-Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
2:30-3:30 p.m.—————-GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
3:30-5:00 p.m.—————-Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
5:00-6:00 p.m.—————-Teepause
6:00-7:00 p.m.—————-GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
7:00-8:15 p.m.—————-Vortrag des Lehrers in der Halle
8:15-9:00 p.m.—————-GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
9:00-9:30 p.m.—————-Zeit für Fragen in der Halle
9:30 p.m.———————–Nachtruhe – Licht aus

(entnommen der Website von Vipassana in Triebel)

 

Wie fühlt sich das „ewige“ Schweigen an?

 

Anfangs ist es schon etwas komisch. Man möchte sich austauschen über das Erfahrene, besonders wenn man den Kurs mit einem Verwandten oder Bekannten besucht. Viele Teilnehmer langweilen sich auch im Kurs. Meine Mutti, zum Beispiel, hat begonnen ab und zu Selbstgespräche zu führen (und sie ist keineswegs wahnsinnig oder so!) 😉

Teilnehmer können jedoch jederzeit mit den Gurus und Betreuern sprechen, falls das Schweigen zuviel wird oder sie Fragen im Allgemeinen oder zur Meditation im Speziellen haben.

 

Wozu dient das Schweigen überhaupt?

 

Das Schweigen ermöglicht einem, nicht abgelenkt zu werden. Im Alltag sprechen wir unablässig und danach lassen wir unsere Gespräche Revue passieren und was passiert? Wir driften ab in die Vergangenheit oder in die Zukunft: „Hätte ich doch das gesagt…, dann müsste ich morgen nicht…“ Doch die Vergangenheit ist was? Genau: vergangen. Und die Zukunft ist noch nicht hier. Das Schweigen hilft uns, im Hier und Jetzt anzukommen.

 

Würde ich den Kurs weiterempfehlen?

 

Ein ganz eindeutiges: JA!

 

Der Großteil der Teilnehmer gewinnt auf jeden Fall etwas aus dem Kurs. Einige meiner persönlichen positiven Veränderungen waren:

  • Mehr Fokussiertheit im Alltag
  • Höhere Kreativität
  • Mehr Zufriedenheit mit einfachen Dingen
  • Mehr im Moment-Leben
  • Besseres logisches Denkvermögen
  • Mehr Ruhe im Alltag
  • Mehr Mitgefühl für andere Menschen
  • Mehr Achtsamkeit keine anderen Menschen (und auch Tiere) zu verletzen
  • Weniger Hemmung durch Angst
  • Weniger Egoismus
  • Verstärktes Vertrauen auf seine Intuition oder eine “innere Stimme”

 

Zusammengefasst: Was bringt Meditation?

 

Was ist das größte Problem der Menschheit? Wahrscheinlich, dass wir unkontrolliert denken. Wir haben keine Macht mehr über unsere (oft destruktiven) Gedanken. Es entsteht zuviel Angst, Zorn, Ärger, Missmut und Beschwerde über Dinge, die wir eh nicht ändern können.

Durch Meditation lernen wir weniger zu denken.

 

Es fühlt es sich in etwa so an, als ob der Kopf immer in Wolken (Wolken= Gedanken) steckt. Durch den Meditationskurs wird er aus den Wolken befreit- man hat wieder einen “klaren Himmel” vor seinen Augen.

Nach dem 10-Tages-Kurs sehen viele Teilnehmer die Welt klarer, weil Geschehnisse nicht mehr fortlaufend von Gedanken getrübt und bewertet werden.

Meditation

Ich persönlich suchte und suchte viele, viele Jahre nach Antworten bis ich zur Meditation kam. Meditation gab mir zwar keine Antworten, aber dafür hob es viele meiner Fragen auf.

Ich möchte jedoch ausdrücklich betonen, dass Meditation nicht für Jeden etwas ist und es zahlreiche andere Möglichkeiten gibt um zu lernen im Moment zu leben und sich weniger Sorgen zu machen. Viele Künstler leben von allein im Moment, wenn sie künstlerisch aktiv sind. Eckart Tolle beschriebt in seinem Buch Jetzt! Die Kraft der Gegenwart wie man lernen kann, sich im Alltag permanent auf das Jetzt zu konzentrieren. Andere praktizieren Yoga oder verbringen ganz einfach Zeit in der Natur.

Du siehst: Viele Wege führen ins Jetzt. Mein Weg war die Meditation, vielleicht hilft sie auch dir?

 

 

Ein paar Ratschläge für Interessierte

 

Falls ein Leser sich dazu entscheidet an einem solchen Kurs teilzunehmen, hier ein paar Ratschläge:

  • Zeitig genug reservieren!

Hier ein Screenshot von 2014. „Geschlossen, geschlossen, geschlossen“- also: zeitig reservieren!

 

 

  • Bequeme Kleidung

Du wirst den Großteil des Tages sitzen, also nimm Kleidung mit, in der du bequem sitzen kannst. Aussehen interessiert dort niemanden. Du kannst also getrost Jogginghosen einpacken und deine Schminke (liebe Frauen!) zu Hause lassen.

  • Ruhe bewahren

Wenn es anfangs noch nicht klappt auf den Atem zu achten, ist das überhaupt nicht schlimm. Einfach immer wieder die Gedanken auf den Atem zurückbringen ohne böse zu werden. EIN-AUS-EIN-AUS. Ich habe von einigen gehört, die gesagt haben: „Ich kann nicht… und es geht nicht… und ich versteh nicht…..“ Es geht nicht darum zu verstehen, was du tust, sondern vielmehr darum, es einfach zu tun. Es ist im Grunde genommen ganz einfach und jeder kann es: Entspannen und auf den Atem achten. Nichts weiter.

  • Vorträge von Goenka

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Am Abend gibt es immer verschiedene Vorträge von Goenka- dem Gründer Vipassanas.

Sie sind dazu da die Theorie hinter der Praxis (der Meditation) zu beleuchten. Ich persönlich fand die Vorträge immer sehr spannend. Über so einige theoretische Ansätze lässt sich jedoch bestimmt streiten. Auch wenn die Theorie äußerst interessant sein kann, ist es meiner Meinung nach wichtiger sich auf die Praxis zu konzentrieren. Selbst der Buddhismus ist sich über einige theoretische Ansätze nicht einig.

Also: meditieren, meditieren, meditieren! Die Praxis ist der Schlüssel.

 

Zusatz: Interessantes über Meditation

 

  • Meditation gehört keiner Religion, keiner Sekte, keiner philosophischen Methode oder spirituellen Verbindung an. Stattdessen ist Meditation einfach eine Praxis. Sie entwickelt die natürliche Befähigung eines jeden Menschen sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
  • Im Grunde genommen ist Meditation wie jede andere Art von Aktivität: Sport, Kunst, Musik oder anderes. Bei all diesen Aktivitäten wird man nicht besser, wenn man nur darüber spricht oder darüber liest, sondern indem man es PRAKTIZIERT. Aus diesem Grund wird der Buddhismus auch oft als „Religion der Aktion“ bezeichnet.
  • Viele bekannte Persönlichkeiten praktizieren/praktizierten Meditation, z.B. Steve Jobs, Oprah oder Russell Brand.
  • Inzwischen wird Meditation selbst in Gefängnissen duchgeführt: